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Pausentee mit der Strafbank-Crew

Zu einem Eishockey-Spiel gehören neben Schiedsrichter und Mannschaften nebst Betreuern natürlich noch ein paar Personen, ohne die einfach gar nichts gehen würde: Das Team von der Strafbank. Wir haben uns mit Dirk “Blacky” Schwarz in Verbindung gesetzt und einmal “hinter die Kulissen” des Strafbank-Teams am Pferdeturm geschaut. […]

Björn: Hallo Blacky! Stell doch mal bitte Dich und Deine Tätigkeit für unsere Leser vor! Wie lange kümmerst Du Dich schon um diese Aufgabe?

Blacky:  Mein Name ist Dirk Schwarz, ich bin 49 Jahre alt und bei den Indians bei der Schiedsrichterbetreuung und der Organisation der Heimspiele (Indians und Braves)  in Sachen Strafbank tätig. Seit 1987 bin ich ausgebildeter Punktrichter beim EC Hannover (erst Knaben und Schüler, ab 1988 1. Herren und 1B).

Björn: Wie sieht denn eure Arbeitsteilung genau aus auf der Strafbank? Wie viele Leute tummeln sich dort “freiwillig”, damit Zeitnahme, Strafbank und Schreiben des Spielberichts reibungslos funktionieren? 

Blacky:   Bei den Indians benötigt man etwas mehr Personal als bei den Braves, fangen wir mal mit den Indians an! Strafbank Heim (Corinna Schenkel), Strafbank Gast (Michael Hildebrandt), Spielzeituhr (Michael Strohschein), Strafzeituhr (Christian Barchfeld), Annahme Strafzeiten (nur große Strafen werden vom HSR angesagt), Tore und sonstige Anweisungen vom HSR (Jennifer Klanthe), Pointstreak und Zusatzberichte (Dirk Schwarz), Ansage Toddy und die Toreschieber (Lars Bergmann und Felix Krügler). Diese Anzahl von Mitarbeitern braucht man in der Bundesliga auf jeden Fall, weil die Spiele immer schneller werden und da bleibt einem kaum noch Zeit, um alle Zeichen vom HSR und vor allem die Geschehnisse auf dem Eis zu verfolgen. Bei den Braves sind es nur vier Personen, Spielbericht, beide Uhren und zwei Strafbankbetreuer.

Björn: Wie wird man überhaupt Strafbank-Mitarbeiter? Was muss man an Schulungen absolvieren und vor allem, wo könnte man als Interessierter seinen Einstieg finden?

Blacky: Also im Augenblick sind die Mitarbeiter handverlesen, weil ich muß mich auf die Leute bedingungslos verlassen können. Man muss natürlich eine Schulung zum OIO (Off-Ice-Offiziellen) besucht haben , diese Schulungen werden vom Landesverband angeboten. Wenn man neu einsteigen möchte, fängt man am besten im Nachwuchs an zu schreiben. Nachwuchs suchen wir im Augenblick nicht, da wir erst zur Beginn der Saison neue Leute gesucht und auch gefunden haben.

Björn: Ihr habt während des Spiels natürlich zunächst einmal auch mit den Unparteiischen zu tun. Diese Kommunikation läuft mal gut und mal besser, so man das aus der Ferne beurteilen kann. Was macht denn für Dich einen guten Schiedsrichter aus? Mit wem arbeitet es sich denn besonders angenehm zusammen?

Blacky: Einen guten Schiedsrichter macht meiner Meinung aus, wenn man gar nicht merkt dass er da ist und er das Spiel von den beiden Teams entscheiden lässt und nicht selber das Spiel entscheidet. Außer mit Herrn Brill arbeite ich mit allen Schiedsrichtern gern zusammen, man kennt sich schließlich schon länger.

Björn: Natürlich gibt es auch anderweitig “Kundschaft” während des Spiels, zumeist unfreiwillig und noch mit erregtem Gemüt, nehmen die aktiven Freunde des gepflegten Kufensportes bei euch Platz, oder brüllen über euch hinweg dem Gegenüber in der anderen Box mehr oder minder “Netiquette” erfüllendes zu. Wer von eurer “Stammkundschaft” ist denn besonders schillernd in seinen Besuchen bei euch und deshalb in Erinnerung geblieben? Welcher Kunde ist gerne gesehen in der Kühlbox zum Plauschen?

Blacky:  Das war früher viel schlimmer, heute wollen sie sich lieber erholen! Besonders in Erinnerung bleiben Josiah, Jan und Adam und von früher Siggi und Dieter Reiß. Gerne plauschen wir natürlich mit ehemaligen Indianern.

Björn: Thema Pointstreak. Wie funktioniert das Ganze eigentlich? Hat sich bis auf diese technische Zusatzaufgabe über die letzten Jahre noch mehr in eurer Arbeit geändert?

Blacky: Pointstreak ist für uns Punktrichter die Erleichterung schlechthin, 90 Minuten vor Spielbeginn startet man Pointstreak und meldet sich an. Die Spieldaten werden eingegeben, Schiedsrichter und Punktrichter werden benannt,dann die Mannschaftsaufstellungen auswählen und fertig! Jeder der näheres wissen möchte kann gerne mal in der Drittelpause zur Bank kommen und schauen, was alles geht mit Pointstreak.

Björn:  Eine kleine Regelfrage: Der Spieler darf ab Ende der Strafzeit auf dem Eis sein, oder: Die Tür wird mit Ende der Strafzeit geöffnet? Welches Vorgehen ist korrekt?

Blacky: Die Tür wird mit Ende der Strafzeit geöffnet!

Björn: Thema Papierkrieg. Der Spielberichtsbogen läuft nach Ende noch einmal durch diverse Hände, wird zum Teil noch durch Zusatzberichte angereichert. Erläutere doch bitte mal für unsere Leser welche Stationen denn durchlaufen werden vom leeren Bogen, bis zum “Wegheften” bei, ja bei wem eigentlich?

Blacky: Vor dem Spiel müssen die Mannschaftsführer und Trainer die offizielle Mannschaftaufstellung unterschreiben, danach geht diese mit den Aufstellungen und der Lizenzliste zu den Schiedsrichtern. Während des Spiels macht alles Pointstreak (Eintragungen im Spielbericht)und nach dem Spiel, wenn es keinen Zusatzbericht gibt, bekommt der Schiedsrichter ein Exemplar zur Unterschrift und die Mannschaften erhalten jeweils eine Kopie. Benny (Benjamin Ropers, der Mannschaftsleiter der Indians, Anm. d. Red.) heftet das dann für die Indians weg. Gibt es einen Zusatzbericht, müssen die Mannschaftsführer diesen auch noch unterschreiben bevor die Schiedsrichter diesen erhalten und wir schicken den Zusatzbericht dann per E-Mail an die Ligenleitung, in diesem Fall die ESBG.

Björn: Mal die Frage nach den Rekorden, im Steno: Meisten Strafminuten angeschrieben bei? Meiste Kundschaft gleichzeitig auf den Strafbänken bei? Meisten Zusatzberichte bei?

Blacky: Hannover Indians vs Freiburger Wölfe die Massenschlägerei. (Gemeint ist das Playoff-Spiel vier aus den 2008er Aufstiegs-Playoffs. Nach einer Auszeit der Freiburger kam es zu der inzwischen legendären Auseinandersetzung zwischen beiden Teams angezettelt durch Goon Spylo, der sich wie von Sinnen auf den damaligen Top-Scorer der Indians Kyle Doyle stürzte und danach ausgiebig Bekanntschaft mit der linken und rechten Hand des Sheriffs in Person von Josiah Anderson machte. Wer die Szene noch einmal sehen will, auf Youtube gibt es Bildmaterial mit leicht fragwürdigen Äußerungen: klick . Leider gibt es von der Saison 2007/2008 keine Daten mehr auf Pointstreak abrufbar, daher können auch wir keine genaue Angabe der Summe an Strafminuten geben. Anm. d. Red.)

Björn: Du bist ein absolutes Urgestein für das Pferdeturm-Eishockey! Daher die Frage an Dich: Aus Deiner Zeit auf der Strafbank, welche Partie bleibt besonders unvergesslich und warum?

Blacky: Das letzte DEL Heimspiel mit 60 Minuten singender Nordkurve…

Björn: Beende doch mal folgenden Satz: Für den Pferdeturm wünsche ich mir…

Blacky: …dass wir nie in einer MuFU-Arena spielen, denn: Kult ist kalt, dreckig, laut! 

Björn: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen allen Mitarbeitern und Freiwilligen des Strafbank-Teams weiterhin Spaß und Freude an ihrem Engagement für das Eishockey am Pferdeturm, schön, dass wir einmal bei euch “Hinter die Kulissen” gucken durften!