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Ein Pow-Wow mit Betreuern und Mendezinmann

Profi-Eishockey am Pferdeturm ist mehr als nur 18 gute Spieler, Coaches und Fans. Viele gute Geister wirbeln täglich beruflich oder im Ehrenamt tätig für die Indians, damit der gepflegte Kufensport attraktiv betrieben werden kann. Im ersten Teil unserer Interview-Reihe “Hinter den Kulissen” sind wir ins Allerheiligste vorgedrungen und haben unsere Fragen an Benni Ropers – Team-Manager der Indians – und Hansi “Mendezinmann” Mende gestellt. Viel Spaß beim Schmökern! […]

Björn: Hallo ihr guten Geister des Pferdeturms, stellt doch mal euch und eure Aufgaben vor!

Benni:  Hallo! Mein Name ist Benjamin Ropers, jeder nennt mich nur “Benni”. Ich bin seit 2007 mit meiner Frau Anja verheiratet, im März 2008 kam unsere Tochter zur Welt. Ich kümmere mich um alles was rund um das Team passiert. Angefangen von der Bestellung und Instandhaltung der Ausrüstung, Schlittschuhschleifen, Koordination der An- und Abreise unserer Spieler und der Auswärtsfahrten samt Verpflegung, Koordination der Trainingszeiten in Absprache mit dem Coach, kümmere ich mich auch noch ums Schiedsrichterwesen und die Spielerpässe. Nebenbei fallen noch jede Menge anderer Tätigkeiten an, es wäre jetzt zu mühseelig alle aufzuzählen. Bis 2010 habe ich mich auch noch um die ärztliche Koordination samt Reha-Terminen gekümmert, seit wir mit Hansi Mende einen festen Physiotherapeuten angestellt haben, bin ich dies los geworden. Gott sei Dank sind wir diesen Schritt in Sachen Professionalisierung gegangen!

Hansi: Hallo ihr ECHten und alle anderen Indianer, ich bin der Hansi und bin als Physiotherapeut bei den Indians angestellt. Meine Hauptaufgabe besteht natürlich darin die Jungs gesund und fit zu halten mit allem was dazu gehört. Also schwere Beine und verspannte Rücken kommen da genauso vor wie Husten, Schnupfen,Heiserkeit und ab und an mal eine kleine Blessur und Schmerzen nach den Spielen oder Trainingseinheiten. Sie wissen aber, dass ich für alles was in meinem Koffer habe 😉 Wenn’s mal schlimmer ist, koordiniere ich das ganze Verfahren auch mit unseren Ärzten, wo wir immer sofort anrufen und hinfahren können. Wir haben hier ein absolut kompetentes Ärzteteam im Hintergrund, da ist die Zusammenarbeit einfach großartig und ich weiß dass uns viele Vereine darum beneiden.

Eins bist du als Physio aber auch, nämlich Kummerkasten. Und das ist auch gut so, denn eins ist auch klar und das wissen die Jungs zu schätzen, was in meinen vier Wänden gesprochen wird, das bleibt da drinnen!

Björn: Wie lange seid ihr denn schon dabei und wie seid ihr überhaupt Indianer geworden?

Benni: Ich bin seit der Saison 2005 hauptamtlicher Angestellter der Indians. Vorher hauptamtlicher Fan in der Nordkurve gewesen.

Hansi:  Es ist meine zweite Saison bei der 1. Mannschaft, vorher hab ich für Herbert Müllerchen die Towers betreut.Ich kam in der letzten Pre-Season quasi von heute auf morgen zu dem Job. Es war Freitag morgens, 10 Uhr, als das Handy klingelte und Benny an der Strippe war.” Hansi, kannste Montag mit ins Trainingslager fahren? Wir haben keinen Physio…meld Dich bis 12.00 Uhr” Ich war zu diesem Zeitpunkt in der REHA Friederikenstift angestellt.Anruf bei meiner Leitung und die Antwort war: “Nutz diese Chance, brauchste kein Urlaub für nehmen“..tja und so fuhr ich mit nach Braunlage, hab einen guten Job gemacht und die Jungs wollten mich behalten! :-))

Danke natürlich auch an die REHA Friederikenstift, die das unkompliziert möglich gemacht haben, dass ich meinen Traumjob habe.

Björn: Wie schaut denn so ein ganz normaler Arbeitstag bei den Indians für euch aus?

Benni: Jeder Tag ist verschieden. Kommt darauf an wie viele Eis-Einheiten an Tag anstehen. Ich versuche einmal jeden Tag ein wenig zu beschreiben:

Der Montag ist meistens unser freier, Tag außer wir spielen am Dienstag. Die Spieler nutzen ihn für ihre Familien oder auch für Regeneration im Aspria am Maschsee. Sauna-Gänge und der überragende Whirlpool im Aspria sind sehr beliebt. Ich nutze den Montag für meine Tochter, da ich Sie den Rest der Woche nur selten sehe,  meistens schlafend.

Dienstags beginnt für uns die neue Trainings-Woche! Dienstags stehen meistens zwei Eis-Einheiten an. Hier bin ich um kurz vor sieben Uhr am Pferdeturm. Jetzt beginnt die normale Trainingsvorbereitung. Wir sind im Betreuer-Stab mittlerweile ein eingespieltes Team, jeder weiß was er zu tun hat. Dies erleichtert alles ungemein! Am Dienstag versuche ich meistens wenn die Zeit es zulässt auch die Auswärtsfahrt-Planung für das kommende Wochenende abzuschließen. Dies umfasst die Abschprache der Abfahrtszeit mit den Busfahrern und die Bestellung des Essens für das kommende Wochenende. Ebenso mache ich dienstags einen Material-Check, um festzustellen ob irgendwo ein Engpass am Wochenende entstehen könnte. Bei Bedarf ordere ich dann bei unseren Partnern, damit am kommenden Wochenende alles wie gewohnt zur Verfügung steht.

Mittwochs haben wir meisten ebenfalls zwei Eis-Einheiten, morgens normales Mannschafts-Training und abends Torhüter-Training. Beim Abend-Training ist dann nicht die gesamte Mannschaft anwesend, nur die Torhüter und eine Anzahl der Spieler die der Trainier für das Torhütertraining benötigt.

Donnerstags haben wir mittags Training, nach dem Training folgt das Video-Meeting für den Freitags-Gegner.

Freitag morgens folgt das Abschluss-Training inklusive Abschluss-Besprechung. Nach dem Training erhalte ich dann den Kader für das Spiel vom Trainer inklusive Starting Goalie und Starting Six. Hiernach erstelle ich dann die Mannschafts-Aufstellung für das Spiel. Wenn die Jungs nach dem Training sich auf den Weg nach Hause gemacht haben, richten wir die Kabine für das Spiel her. Trikots werden an die Plätze gehängt. Getränke bereitet und ausreichend Schläger-Tape bereit gelegt. Vor dem Spiel habe ich meistens noch ausreichend Schlittschuhe zu schleifen, da doch viele gerne mit einem frischen Schliff in das Spiel gehen.

Samstag Mittag ist immer ein lockeres Training. Einfach die Beine bewegen. Nach dem Training gibt es wieder den Kader vom Trainer für das Sonntags-Spiel. Erneut wird dann die Aufstellung festgelegt für den Spielberichtsbogen. Zum Abschluss des Tages packen wir unsere Cases für das Auswärtsspiel. Wir reisen mit ziemlich viel Material: angefangen mit einem Case der Schleifmaschine, eine Kiste mit unseren Handschuhtrocknern, dazu kommen noch eine Material-Kiste mit Ersatzkufen und vielen Kleinteilen und eine Kiste mit allem Weiteren. Angefangen von Obst , Kaffee-Maschine, Handtücher, Trinkflaschen,Duschgel und Müsliriegel. Die Spieler erhalten ihre Trikots und Stutzen beim Auswärtsspiel auch an ihre Plätze gehängt. Die Spieler nehmen ihre Trikot-Ausrüstung selbstständig in ihrer Hockey-Tasche mit. Die Schläger werden wiederum von uns gepackt und verstaut.

Sonntag morgens geht es dann meistens früh los . Wir kochen in der Kabine den Kaffee für die Busfahrt, anschließend wird der Bus beladen und auf die Abfahrt gewartet.Dieses Spiel wiederholt sich dann jede Woche! 😉

Hansi: Ein normaler Wochen-Arbeitstag fängt z.B. Dienstag morgens um sieben Uhr in der Kabine an. Ein kurzer Kaffee mit Benny und dem Coach, dann kommen die Jungs zum Training. Vor dem Eis hab ich meisten zwei, drei “Stammgäste” für einen lockeren Stretch oder Bein-Massage. Der ein oder andere braucht Handgelenks-Tapes und dann sind sie auch schon auf dem Eis. Haben wir Verletzte, hab ich jetzt die Möglichkeit sie zu behandeln. Nach dem Eis-Training will dann der eine oder andere noch Massagen oder Blessuren behandelt haben. Ich bespreche mich dann täglich noch mit unserem Coach was es neues gibt und dann ist der erste Teil des Tages schon gelaufen, meist so gegen 11.30-12.00 Uhr. Ab 16 Uhr geht es dann von vorne los, bis meistens gegen 20 Uhr. An manchen Tagen muß ich auch mal zu Ärzten fahren mit den Jungs, oder mal mit dem einen oder anderen ein spezielles Trainings-Programm abarbeiten. Das machen wir dann bei unserem Partner im Aspria. Tja und das ganze außer montags jeden Tag, wobei an Spieltagen natürlich mehr zu tun ist…

Björn:  Gerade Wochenende bedeutet für euch genau wie für die Spieler lange Busfahrten und wenig Zeit für die Familie. Wie arrangiert man sich damit? Habt ihr ein paar Tips wie die langen Stunden im Bus am  schnellsten rumgehen?

Benni: Meine Familie ist es gewohnt,  dass ich am Wochenende selten zu Hause bin. Gerade an Weihnachten ist es natürlich hart! Hier hat man eigentlich nur  Heilig Abend zusammen, am ersten Weihnachtstag steht schon wieder Training an. Auf einer Busfahrt kann man eigentlich nicht viel Sinnvolles machen. Ich höre viel Musik, oder versuche zu schlafen. Nach den Jahren klappt das ganz hervorragend mit dem Schlafen im Bus. Absolute Gewöhnungssache! Jeder von uns hat eine Schlafmatratze dabei , mit der er es sich so bequem wie möglich macht. Viele gucken auch DVD im Bus, dies ist leider nicht mein Fall!

Hansi: Ich muß mich an dieser Stelle mal bei meiner Frau Rabea bedanken, die voll und ganz hinter meinem Job steht! Ohne einen toleranten Partner, der akzeptiert dass du sieben Monate im Jahr kein Wochenende wirklich zu Hause bist, kannst du so einen Job nicht machen!

Björn: Auswärts passiert doch so einiges! Erzählt doch mal eure schönste Anekdote von den vielen Reisen! Wo war es am schönsten, wo würdet ihr am liebsten nie wieder hin!

Benni: Ich möchte nie wieder in ein Oberliga Stadion reisen! 😉 Anekdoten gibt es so einige, leider ist nichts dabei was ich hier so einfach preisgeben möchte. (Buuuuh! Die Redaktion! ;-))

Hansi: So viel von “auswärts” kann ich nach einer Saison noch gar nicht erzählen. Schön ist es natürlich wenn wir gewonnen haben, in Heilbronn oder Fischtown tut das natürlich besonders gut! Am schlimmsten war für mich letzte Saison das Spiel in Crimme, das wegen Ammoniak-Austritt abgebrochen wurde. Alle Spieler sind in Schlittschuhen raus auf den Parkplatz ratz fatz…nur ich steh da mit den Schiris und denke irgindwie riechts hier komisch! Naja, die Folge davon war eine Sauestofftherapie im AK Laatzen am nächsten Tag und etwas “Reizhusten”..ähem..

Am liebsten bin ich in Rosenheim, gaaaanz nette Menschen und eine unglaubliche Einlaufshow…

Björn: Es ist kurz vor dem Spiel! Hier erlebt man bei vielen Spielern die ulkigsten Pre-Game-Rituale! Gibt es da Kandidaten, bei denen das schon extreme Züge annimmt, oder habt ihr gar selber ein Ritual, um euch auf die Spiele einzustimmen?

Benni: Jeder Spieler hat seine eigene Routine vor einem Spiel, wirklich spektakulär ist das aber nicht. Meistens fällt einem das auch gar nicht mehr auf. Ich habe selber kein Ritual. Ich habe meinen Ablauf vor einem Spiel. Das ist alles.

Hansi: Also bei uns im Team gibt es gar nicht so extreme Fälle von Pre-Game-Psychose, die sind da alle ganz normal verrückt.Wir vom Staff-Team haben bei Heimspielen ein bestimmtes Ritual, das ich hier aber nicht verrate, sonst verliert es seinen Reiz… Ich persönlich gehe bei Heimspielen vor dem ersten Drittel immer als letzter aus der Kabine.

Björn: Saison-Ende! Dreht man sich kurz um sind schon die Hälfte der Profis im Urlaub verschwunden, ihr seid noch da. Wann ist denn für euch mal Urlaub angesagt, bzw. habt auch ihr eine Sommerpause?

Benni: Nach der Saison ist vor der Saison! Nach dem letzten Spiel folgt das „Auschecken“ der Spieler. Material-Rückgabe, Bekleidungs-Rückgabe, Wohnungsabnahmen, Flüge-Buchen, Transport zum Flughafen. Wenn dies alles durch ist, folgt für uns meistens auch einmal drei Wochen Ruhepause. Dann kommen schon wieder die „Neuen“! Man kümmert sich um die Bestellung der Ausrüstung, die Planung des Trainingslagers Anfang August. Aber im Sommer kann man sich seine Arbeit auch gut einteilen, dies ist sehr schön für die Familie.

Hansi:  Wenn die letzte Sirene getrötet hat ist eigentlich für mich auch Saisonende, es sei denn wir trainieren noch ein paar Tage weiter oder wir haben Verletzte. Für Spieler, die den Sommer hier bleiben, bin ich natürlich immer erreichbar. Nach einer Saison brauchst du aber echt erst mal zwei Wochen Urlaub und Abstand um runter zu kommen. Türkei-Urlaub mit dem Staff-Team kann ich da echt empfehlen! 😉

In der Sommerpause arbeite ich dann ganz normal in einer Praxis bis es im August wieder losgeht…

Björn: Profis kommen und gehen Jahr für Jahr. Wer von unseren Ex-Spielern bleibt euch denn besonders in Erinnerung, nicht nur für das was er auf dem Eis geleistet hat?

Benni: Sehr schwierig! Hier gibt es einige Namen: Schuster, Kondelik, Welke, Doyle, Dewan. Ich könnte die Liste noch weiterführen. Wirklich sehr schwierig!

Hansi: Vom letzten Team hab ich noch guten Kontakt zu Schmidti und McPherson, aber auch “Dimi” läßt ab und zu was von sich hören. Aber man wechselt nach den Spielen schon mit allen das eine oder andere Wort.

Björn:  Was war euer schönster Moment am Pferdeturm?

Benni: Ganz klar der Aufstieg in die Bundesliga! Leider war der Abend sehr kurz für mich!

Hansi: Der schönste Moment für mich waren die letzten zwei Spielminuten im dritten Finale gegen Bad Nauheim, einfach unvergesslich in der Kurve nach allem, was man seit 1991 mitgemacht hat… (Anmerkung der Redaktion: Dieser Moment ging unserem Mendezinmann im doppelten Sinne unter die Haut! Seit dem “Sweep” ziert ein Tattoo als Erinnerung an diesen einzigartigen Moment ECH-Geschichte den Unterarm unseres Physios!

Björn: Beendet doch mal folgenden Satz! Für den Pferdeturm wünsch ich mir:

Benni: Einen Umbau in naher Zukunft nach dem Schwenninger Modell, für mich das schönste Stadion der Liga! Sportlich natürlich die weitere Etablierung und in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft die Deutsche Meisterschaft!

Hansi: Für den Pferdeturm wünsch ich mir…einen sinnvollen Umbau wie in Schwenningen, damit die Bedingungen für uns alle im Team einfacher und besser werden! 😉

Björn: Im Namen der “ECHten Hannoveraner” und sicherlich aller Indianer und Fans an dieser Stelle Danke für das Interview und eure Arbeit und auch ein Gruß und Danke an eure weiteren Kollegen im Bereich Betreuung und Physio! Auf das sich eure Wünsche für den Pferdeturm bewahrheiten!