Keine Punkte-Ausbeute beim Spitzenreiter

Seien wir doch mal ehrlich – wenn man als Hannoveraner nach Schwenningen – zum Tabellenführer der 2. Bundesliga – fährt, erwartet man nicht, dass man hoch dominante Indianer sieht und wir das Spiel 8:1 gewinnen. Ganz realistisch fährt man hin mit dem Gedanken, dass man eine Niederlage hinnehmen muss, eventuell sogar die Hütte voll kriegt. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Schwennigen zu Hause erst zwei Spiele verloren. Eventuell darf man ja auf ein enges Spiel bis hin zu einem kleinen Wunder hoffen. Also alles gut. Als wir allerdings in den Block kamen, fiel schon beim Aufwärmen auf, dass wir mit kleinem Kader angereist sind. Schmidt, Hemmes und Bombis lagen mit Grippe zu Hause. Also spielte Sommerfeld Verteidigung und Thomson lief als fester Verteidiger auf. Da dürfte das mit dem Wunder also doch schwer werden…

Jetzt geht die Achterbahnfahrt los. Also Bügel runter und anschnallen. Gleich zu Beginn wurden wir kalt erwischt. Nach nur 21 Sekunden Puckverlust an der Bande in Höhe der blauen Linie, der Schwenninger kann allein aufs Tor laufen und schon steht es 1:0. Okay, finden wir uns halt damit ab, dass wir auf die Mütze kriegen. In der 3. Minute ging es ab in den Korkenzieher – gefühlt ein halbe Stunde daddelten unsere Jungs vorm Schwenninger Tor rum. Normalerweise hätten wir jetzt mitten auf den Mann geschossen, aber nein – Jelitto versenkt ihn tatsächlich. Looping, juchu! Gerade war ich noch am SMS schreiben, dass es doch noch was mit meinem 1:2-Tipp werden könnte, da fällt auch schon das nächste Tor – dummer Weise für die Hausherren zum 2:1. Das war’s dann wohl mit meinem Tipp. Jetzt zeigten die Wild Wings, dass sie zu Recht dort oben stehen. Eine Angriffswelle nach der anderen rollte aus Owers Tor und unsere Jungs ließen sich immer wieder überlaufen. Sogar bei unserer ersten Überzahl-Situation war Schwenningen näher an einem Tor als wir selbst. 12. Minute dann das etwas unglückliche 3:1, war zwar hart und scharf geschossen, hätte man aber halten können. Nur wenig später der nächste Treffer, das 4:1 fiel in der 15. Minute dieses Mal in Überzahl. Nach diesem Tor wechselte der Coach den Torhüter, für Ower kam also Holmgren. Zum Ende des Drittels fanden unsere Indians zwar etwas ihren Rhythmus, aber man muss auch zugeben, dass wir eigentlich absolut chancenlos waren.

Uns blieb ja immerhin noch die Cocktailsaucen-Kuh (ja, eine Senf-Kuh gab es natürlich auch) in der Drittelpause. Allerdings gab es diesmal den besseren Start für uns. Gleich in der ersten Minute von Drittel Nummer 2 gelang Jelitto fast ein Tor, das garantiert bei der Wahl zum Tor des Monats dabei gewesen wäre – sogar im Fußball. Wenn das Wort „fast“ nicht wäre. So prallte der Puck vom Gestänge ab und rutsche einmal quer an der Torlinie längs bis schließlich ein Schwenninger retten konnte. Schade. So langsam fanden die Jungs besser ins Spiel und auch die Überzahl war gar nicht mal schlecht. Aber das Leben ist halt unfair und wir kriegen in der 31. Minute das 5:1, auch noch als Shorthander. Tja, das war’s jetzt endgültig. Davon kann sich KEINE Mannschaft erholen – denkste! Denn jetzt waren wir am Drücker. Mit einem überraschend schönen Spielzug fing Dmitriev in der 34. Minute mit dem Torreigen an. Denkt man natürlich immer noch, dass es nur Ergebniskosmetik ist. Als allerdings nur 2 Minuten später Chamberlain den Spielstand auf 5:3 stellte, da war der Gästeblock mit handverlesenen sieben Indians-Fans schon etwas am Ausrasten. Der Aufwind kam natürlich auch etwas daher, dass Schwenningen einiges an Tempo aus dem Spiel genommen hat, aber trotzdem braucht man Rückgrat, um aus einem 4-Tore-Rückstand noch mal zurückzukommen.

Das letzte Drittel versprach also noch mal spannend zu werden – wer hätte das eine halbe Stunde vorher gedacht. Gleich zu Beginn tauchte Chamberlain allein vorm Schwenninger Tor auf (das diesmal übrigens von Martinovic statt Silverthorn gehütet wurde), vergab allerdings. Den Part des Vollstreckers übernahm in der 44. Minute dann abermals DJ Jelitto und schon stand es nur noch 5:4. Plötzlich war es mucksmäuschenstill in der Helios-Arena, hatten doch schon alle mit einem deutlichen Schwenninger Sieg gerechnet – ursprünglich inklusive uns. Leider gelang es unseren tapferen Indianer trotz Bemühungen nicht, den heiß ersehnten Ausgleich zu erzielen. Durch einen Ausrutscher (im wahrsten Sinne des Wortes) ließ Thomson, der ja seit einiger Zeit das erste Mal wieder durchgängig spielte, seinem Gegenspieler freien Lauf und in der 48. Minute stand es 6:4. Das war eigentlich schon das Entscheidende Tor. Lediglich ein weiteres Tor fiel 2 Minuten vor Schluss. Holmgren, der bisher ein recht ordentliches Spiel gemacht hatte, rutschte der Puck durch die Beine. Somit lautete der Endstand dieses Spiels 7:4.

Fazit: Sehr schwer zu sagen, ob es jetzt ein gutes oder ein schlechtes Spiel war. Es hatte viel von beidem. Erste Drittel total verpatzt, dann aber ganz stark zurückgekommen. So ein Spiel muss man nicht gewinnen. Wenn man allerdings Punkte bei möglichen Spielen liegen lässt, muss man sie auch mal bei unmöglichen Spielen machen. Da allerdings der ein oder andere Spieler in der Drittelpause noch mal kurz die Kloschüssel umarmt hat und trotzdem sein Bestes auf dem Eis gegeben hat, muss man die kämpferische Einstellung loben. Jetzt also die Grippe aus der Kabine kriegen und aufs nächste Spiel konzentrieren.
Persönlicher Wermutstropfen: Forster hat zwei Tore und drei Vorlagen gemacht – der hat sich seit seiner Showeinlage am Bully mit Chamberlain doch ziemlich unbeliebt gemacht… Auch wenn ich es den Schwenningern wegen der guten Leistung gönne, gibt es doch eine Ausnahme.